credo

Ich fotografiere aus innerer Notwendigkeit heraus, lasse meine Bilder aber mit Bedacht entstehen. Neugierde und Intensität, Geduld, Spannung und Gelassenheit bedingen sich und lösen einander während der Arbeit ab. Dieser gehe ich mit Vorliebe allein nach, nach eigenem Rhythmus, sei es im Studio oder vor Ort, mit einer Vielzahl von Lichtquellen und Kameraformaten.
Die Bilder entstehen im Gespräch mit den Portraitierten; fotografieren ist für mich eine Form von Beziehung.
Das braucht Zeit, die ich mir für die Arbeit nehme; es kann Minuten dauern oder Stunden. Ob Auftragsarbeit oder eigenes Projekt, immer interessiert mich dabei der Prozess - vom Einfall bis zum Auslösen, von der ersten Idee bis zum fertigen Bild. Fotografieren heisst für mich begegnen.

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bio

Ist 1964 in Basel geboren und zweisprachig aufgewachsen (d/f). Nach 12 Schuljahren Besuch der Fotofachklasse Vevey EAA (86-90), danach Volontariat beim Tagesanzeiger Zürich, lebt seit 92 als selbständiger Fotograf in Zürich.

Aus Überzeugung im Bereich des Fotojournalismus sowie der Architekturfotografie tätig. Arbeitet regelmässig für in- und ausländische Medien, Institutionen, Verbände und Architekturbüros. Daneben eigene Projekte im Bereich Portraits und situative Aussenaufnahmen sowie gelegentliche Lehrtätigkeit (MAZ, cap fotoschule)

91 - Teilnahme Fotoprojekt Zürich-Moskau mit Gemeinschaftsaustellung in Moskau und Zürich.
92 - Gemeinschaftsausstellung 'Urbania' im Kunsthaus Oerlikon.
93 - Gewinner Swiss Press Photo mit einem Themenbild: Bosnische Flüchtlinge in der Schweiz
96 - Einzelausstellung 'INVENTAR' im Erlengut, Erlenbach
01 - Mitgründung der Fotoagentur Pixsil (www.pixsil.com external link)
06 - Einzelausstellung: "Glücksmomente" anlässlich der Bieler Fototage 06

interview

von Paula Lanfranconi Gazzetta / Pro Litteris Juli 2006

Fotograf, Fotografin sein bedeutet nicht immer Startum und Glamour. Es kann auch Knochenarbeit sein, Hektik - und eine satte Portion Leidenschaft.

Ein Industriegelände im Zürcher Kreis 5. Vorne brausen Laster vorbei, oben auf dem Viadukt die Bahn. Ein paar Schritte vor der Halle des Engroshändlers geht's hoch zu Dominic Büttners Atelier. Hier, in diesem Mix aus Wohlgroth und Züri-West fühlt sich der Fotojournalist Büttner wohl. Blickfang in seinem Atelier ist eine Balgenkamera für Studio- und Architekturaufnahmen. Auf den Gestellen lagert Technik. Licht in allen Varianten: Softboxen, Lampen, Spots, Tageslicht, Blitzlampen. Im Raum dahinter steht ein Metallschrank voller Kameras, von der Leica über die Rolleiflex bis zur neusten Digitalkamera. Das alles ist ein Stück Fotogeschichte der letzten 20 Jahre und ein Spiegel von Büttners Werdegang.

Seine Grundausbildung holte sich der gebürtige Basler an der Fotoklasse in Vevey, 1986 bis 1990. Gepackt hat ihn der Fotojournalismus dann während seines Volontariats beim Tages-Anzeiger anfangs der 90er Jahre. So sehr, dass er sich fast aufrieb zwischen der Alltagshektik und den Anforderungen an die eigene Bildqualität. Als freier Fotograf, sagt er, habe er dann lernen müssen, sich auf das zu konzentrieren, was er gerne und gut mache: Politisch und gesellschaftlich relevante Themen, eher Ernstes also. Keine People-Geschichtchen, weder "Nasenlochfotografie" noch Gags.

Dominic Büttner wirkt jünger als seine 42 Jahre. Er fasst einem genau, aber wohlwollend in den Blick. Seine Antworten sind reflektiert, fast druckreif. Er ist einer, der bei jedem Auftrag vorher ins Internet geht und sich auch inhaltlich mit dem Thema auseinander setzt, während Interviews selbst Fragen stellt, "immer häufiger". Er macht den zu Porträtierenden von Anfang an klar, dass es in ihrem Interesse sei, wenn sie sich eine Stunde reservieren statt der üblichen fünf Minuten. "Gerade bei Porträts", sagt Büttner, "muss man permanent wach sein, empfänglich für den Austausch der Energien, die von den Leuten kommen.". Ganz selten nur könne man "einfach pflücken".

Was wäre denn ein "typischer Büttner"? Er zögert. Sagt, wahrscheinlich wärs am ehesten etwas im Porträtbereich. "Die porträtierte Person bleibt sich selber, ist nachdenklich, löst beim Betrachter eine Interaktion aus." Er geht zu einem Schrank und kommt mit Porträts zurück, die er kürzlich für Facts gemacht hat. Es sind Aufnahmen aus einem Sterbehospiz. Ein alter Mann, abgemagert bis auf die Knochen, rauchend, den Blick in die Ferne gerichtet. Zuerst, erzählt Büttner, sei er ohne Kamera hingegangen. "So entstand eine stille Übereinkunft. Die Bilder wurden für den todkranken Mann so etwas wie eine letzte Würdigung." Berufsethik ist Büttner wichtig: "Dass man eine Person nicht so inszeniert, wie es einem selber in den Kram passt, sondern so, dass es der visuellen Wahrheit entspricht."

Büttner ist ein scharfer Beobachter. Inspirationen holt er sich auch in Museen und Galerien. Kürzlich hat er sich die Amsterdamer Rembrandt-Ausstellung angeschaut. Zum Ausgleich spielt er Badminton, liest. Seine Nachbarin ist Buchhändlerin, von ihr lässt er sich Tipps geben.

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